Laiendarsteller schlagen sich durch 1
Aufführung eines Films des »Shoah«-Regisseurs Claude Lanzmann durch das internationalistische Zentrum B5 in Hamburg verhindert
Am heutigen Sonntag, den 25.10.2009, war im Hamburger Programmkino b-movie eine Vorführung des Claude Lanzmann Films »Warum Israel« anberaumt, die in Kooperation der Gruppe Kritikmaximierung und dem Kino stattfinden sollte. Der Nachmittag war als Auftakt zu regelmäßigen Veranstaltungen gedacht, mit denen wir gesellschaftskritische Filme einem breiteren Publikum zugänglich machen wollen. Etwa 70 Menschen folgten unserer Einladung und durften statt »Warum Israel« einer gruseligen Agit-Prop-Bastel-Darbietung der antiimperialistischen Nachbarschaft beiwohnen. Das im Vorderhaus des b-movie befindliche internationalistische Zentrum B5, die »Sozialistischen Linken (SoL)« und die »Tierrechts-Aktion Nord (TAN)« ließen es sich nicht nehmen, dem Kino ihre Programmpolitik zu diktieren und mit Drohung und Gewalt den vorgesehenen Verlauf des Nachmittags zu verhindern. Dieser bewaffnete Haufen setzte kurzerhand den Film des Antifaschisten Claude Lanzmann ab. Lanzmann ist ein in Paris lebender Jude, Mitglied der Resistance und langjähriger Freund von Jean-Paul Sartre und Simon de Beauvoir. Er gab über Jahre die Zeitschrift »Les Temps Modernes« heraus, in der er u.a. Stellung gegen den französischen Algerienkrieg bezog. »Warum Israel« war sein erster – im Jahr 1972 fertiggestellter – Film. Lanzmanns zweites Werk ist die noch weit bekanntere Dokumentation »Shoah«, die ein Mahnmal für die ermordeten europäischen Jüdinnen und Juden darstellt. Bei »Warum Israel« handelt es sich um eine Annäherung des Regisseurs an und seine Reflexion auf den jungen jüdischen Staat, des Zufluchtsorts vor dem weltweiten Antisemitismus.
Absurdes Theater
Schon weit vor Filmbeginn hatten sich ca. 15 AntiimperialistInnen vor der Toreinfahrt zum b-movie platziert; im Laufe des Nachmittags sollten es noch wesentlich mehr werden. Das Hoftor war verbarrikadiert und mit einem Transparent in Form eines Militärfahrzeugs verhängt, auf dem u.a. »tear down the apartheidwall« zu lesen war. AntiimperalistInnen mit schwarzen Holzmaschinengewehren und Bundeswehrjacken mit aufgeklebten Israelfahnen patroullierten davor und machten die Szenerie komplett. Aufgeführt wurde das Straßentheaterstück »Israelischer Checkpoint in der Brigittenstraße«. Das B5-Klientel verteilte dabei abstruse Flyer gegen den Film und seine VeranstalterInnen und teilte geifernd mit, dass Lanzmanns »Warum Israel« heute und hier nicht gezeigt werde. Sowohl den b-movie-BetreiberInnen, Kritikmaximierung, als auch den Kinogästen wurde ausgesprochen eskalativ begegnet. Überdies wurde das Kinopublikum gefilmt, abfotografiert und beobachtet. Aufgrund dieses Settings sah sich das b-movie in Absprache mit uns gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Die aggressive Situation war damit jedoch nicht aufgelöst. So wurden noch vor dem b-movie verbliebene Kinogäste in eine Rangelei verwickelt. Die KleindarstellerInnen der B5 machten sich umgehend kampfbereit und brachten in der folgenden, körperlichen Auseinandersetzungen Prügelhandschuhe, ein Fahrradschloß, einen Gürtel und einen Mundschutz zum Einsatz. Die antiimperialistischen Gewaltfanatiker riefen dabei u.a. »Judenschweine«, »Nazis raus« und »Schwuchteln«. Dabei wurden einige unserer BesucherInnen durch Schläge ins Gesicht verletzt. Der rasende Hass auf Israel lässt bei den selbsterklärten Linken aus einem Vorderhaus in der Hamburger Brigittenstraße offensichtlich alle Sicherungen durchbrennen.
Unsere Absage an die B5
Eine Durchsetzung der Veranstaltung war unter den gegebenen Bedingungen zu keiner Zeit möglich. Der B5 den Skandal zu vermitteln, den es bedeutet, die Aufführung von Filmen eines antifaschistischen Regisseurs und Holocaust-Überlebenden zu verhindern, war und bleibt aussischtslos, weil sie schlicht keiner vernünftigen Diskussion zugänglich sind und seit Jahren bestätigen, wie aktuell das Problem des linken Antisemitismus ist. Das Vorgehen der protestierenden InternationalistInnen war einzig auf Konfrontation angelegt. Auf diese einzugehen war mit unserem Anliegen der Vorführung von »Warum Israel« nicht vereinbar. Gegenüber unseren Gästen wäre es unverantwortlich gewesen, sich weiter auf den irrsinnigen Gewaltkurs einzulassen.
Für uns ist es nicht hinnehmbar, dass die politisch bedeutungslose und notorisch blindwütige B5 mitsamt ihrem Umfeld diktiert, welche Veranstaltungen wann und wo in Hamburg stattfinden. Für uns ist es nicht hinnehmbar, dass wir, unsere FreundInnen und Gäste bedroht oder angegriffen werden. Die Vorführung von »Warum Israel« wird alsbald nachgeholt.
Kritikmaximierung Hamburg
25.10.2009





[...] unsere Stellungnahme – erste Stellungnahme des B-Movie. – Erklärung von Wolfgang Seibert (Jüdische Gemeinde Pinneberg) [...]