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The owls are not what they seem

the owls are not what they seem

Kapitalismus und Kritik in der Krise

Das als quasi-naturwüchsig und unveränderlich akzeptierte geostrategische Gefüge wurde in den letzten Jahren nachhaltig erschüttert. Die 2007 eingestandene und seitdem andauernde Krise mag auf der deutschen Wohlstandsinsel im Großen und Ganzen noch nicht spürbar sein. Im restlichen Europa – vor allem in Griechenland, Zypern, Spanien, Italien und Portugal – sieht das völlig anders aus. Die Krise brachte Verarmung, Zwangsräumungen und den Zusammenbruch ganzer Gesundheits- und Sozialsysteme mit sich. Die deutsch-europäische Austeritätspolitik hat diesen Zustand nicht abgemildert, sondern im eigenen Standortinteresse noch verschärft. Etliche Regierungen wurden ausgetauscht, das ideologische und politische Koordinatensystem in vielen Staaten verschoben.

Die stattfindenden Massenproteste und Aufstände hatten und haben an diesen unruhigeren Zeiten einen bescheidenen Anteil. Ausgangspunkt dieser Kämpfe ist keine übergeordnete und sie miteinander verbindende Theorie. Einig sind sie sich lediglich in der diffusen Ablehnung der herrschenden Krisenpolitik. Die Proteste erweisen sich jedoch nicht als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems, wenn sie sich reformistisch oder regressiv artikulieren. Gemein ist ihnen eine »Kapitalismuskritik«, die sich nicht an einer tieferen Analyse der ökonomischen Zusammenhänge versucht und nicht die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus selbst in den Blick bekommt.

Warum appellieren weite Teile der Linken im Zeichen der Krise an den Staat, anstatt dessen Abschaffung zu fordern? Warum haben faschistische Organisationen derzeit Hochkonjunktur in Europa? Wo liegt der Zusammenhang zwischen Kapitalismus, Krise und Ideologie? Wie ist die Möglichkeit der aktuellen sozialen Kämpfe einzuschätzen, doch noch in ihrer Gänze die wirkliche Bewegung zu werden, die die jetzigen Zustände aufhebt?

Über diese Fragen wollen wir mit den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft (Berlin), Vadim Riga (Hamburg) und Euch diskutieren.

Am Sonntag den 2. Juni um 20.00 Uhr im Golem (Große Elbstrasse 14)

Der kommende Ausschank

Der kommende Ausschank

Am Samstag den 18. Mai laden wir zusammen mit a2 und dem FSK zum kommenden Ausschank in die Rote Flora ein. Zum Abschluss der dritten Staffel der Intros rufen wir auf zu gemeinsamen trinken, tanzen, reflektieren und refinanzieren. Um 22 Uhr werden die Türen geöffnet.

Über das Schicksal der Revolution entscheidet das Klassenbewusstsein

Veranstaltungsreihe: 90 Jahre Georg Lukács’ »Geschichte und Klassenbewusstsein« (1923)

Die Bedeutung von Georg Lukács’ 1923 erstmals veröffentlichtem Essayband »Geschichte und Klassenbewusstsein« ist immens. »Die Wirkung dieses Buches kann man fast als unheimlich bezeichnen.« Es gibt keinen Denker aus dem Kreis des »westlichen Marxismus«, der davon unbeinflusst blieb. Das Werk gehört zu den wichtigsten seiner Zeit.

Obwohl Lukács seine Thesen später aus Parteigehorsam widerrief, stellt »Geschichte und Klassenbewusstsein« zusammen mit Karl Korschs‘ im gleichen Jahr publizierten Werk »Marxismus und Philosophie« den Wendepunkt in der marxistischen Theorie nach dem Ersten Weltkrieg dar. Der offizielle Partei-Marxismus war theoretisch bestimmt durch quasi-naturwissenschaftliche Annahmen, die eine evolutionäre Entwicklung hin zum Sozialismus antizipierten. Die Geschichte würde ganz von selbst in die befreite Gesellschaft einmünden. Mit der Katastrophe des Ersten Weltkriegs und dem Ausbleiben einer von Linken erwarteten bolschewistischen Revolution in Westeuropa war dieser Geschichtsdeterminismus praktisch widerlegt. Diese Krise des Kommunismus verlangte auch der marxistischen Theorie eine notwendige undogmatische Neuausrichtung ab, die von Lukács angeschoben wurde.

Es wundert deshalb kaum, dass Lukács‘ Arbeiten auch im Zuge der antiautoritären Revolte von 1968 eine Relektüre erfuhr. Noch heute – weitere vierzig Jahre später und neunzig Jahre nach der Erstveröffentlichung – ist die Anziehungskraft Lukács’ ungebrochen. Dies belegen aktuelle Neuerscheinungen.

Daran anknüpfend soll mit drei Veranstaltungen der Versuch unternommen werden, Lukács‘ zentrale Begriffe, trotz der Diskussion um ihre Bedeutung, wieder in die Debatte um eine der Gegenwart angemessene Gesellschaftskritik einzuführen: Warenform und Fetischcharakter, Verdinglichung, Dialektik, Totalität – Begriffe, die in einer aufklärerischen Tradition und quer zur postmodernen Verwischung von Gesellschaftskritik stehen.

Zugleich ist aber fraglich, ob die tradierte und auch transformierte Idee einer revolutionären Veränderung noch gültig sein kann. Es bleibt ungeklärt, wie sich angesichts der Dialektik von steigender Vereinfachung und Komplexität, bei fortschreitendem Verlust spontan-subjektiver Momente mit transzendentem Charakter und immer tiefergehender Integration des Subjekts, die Utopie einer befreiten Gesellschaft überhaupt bewahren lässt – ohne in einen selbstreferenziellen Revolutionsgestus zu verfallen, wie es in der gegenwärtigen Linken weit verbreitet ist.
Es stellt sich hier die zentrale Frage nach der Geltung von Lukács’ Begriffen. Ob diese angesichts der vergangenen und andauernden Katastrophen aktualisiert werden können, soll in der Veranstaltungsreihe diskutiert werden.

I. 07.05.2013 / 20 Uhr / Westwerk (Admiralitätsstr. 74)
Frank Engster (Berlin)/Patrick Eiden-Offe (Essen)
Georg Lukács »Geschichte und Klassenbewußtsein« – Werk und Wirkung

Frank Engster (Berlin) hat zu Geld, Maß und Zeit promoviert; Patrick Eiden-Offe ist Literaturwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. Beide publizieren in Zeitschriften wie Phase 2 oder Sozial.Geschichte Online zu (post)marxistischer Theorie und Klassenfragen

II. 28.05.2013 / 19 Uhr / Westwerk (Admiralitätsstr. 74)
Rüdiger Dannemann (Essen)
Die Bedeutung des Begriffs der Verdinglichung für die Gegenwartsdiagnostik

Rüdiger Dannemann ist Vorstandsmitglied der Internationalen Georg Lukács Gesellschaft und Herausgeber des Lukács-Jahrbuch

III. 11.06.2013 / 19 Uhr / Westwerk (Admiralitätsstr. 74)
Detlev Claussen (Frankfurt a.M.)
Geschichte ohne Klassenbewußtsein? Georg Lukács’ kurzes 20. Jahrhundert.

Detlev Claussen (Frankfurt/M.) ist emeritierter Professor für Gesellschaftstheorie der Universität Hannover, Herausgeber von Lukács’ Aufsätzen zu Lenin, Oktoberrevolution und Perestroika.

Eine Veranstaltungsreihe von Kritikmaximierung Hamburg in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg und dem Westwerk

Intros 3

Nach einer etwas längeren Pause beginnt ab Januar unsere dritte Intros-Saison. Zusammen mit [a2] und dem Freien Sender Kombinat veranstalten wir einmal im Monat (jeweils am ersten Donnerstag um 19 Uhr) in der Roten Flora gesellschaftskritische Einführungsabende. Im aktuellen Block soll es nicht um einzelne Herrschaftsverhältnisse, sondern um Theorieansätze gehen. Alles Weitere findet Ihr auf dem Blog zur Reihe.

Lumpenroman

Lumpenroman
Wir möchten euch die folgende Veranstaltung ans Herz legen: Im Rahmen der Vers- und Kaderschmiede wird im Polittbüro das Buch “Lumpenroman” von Roberto Bolaño auf die Bühne gebracht. Mit Pheline Roggan, Matthias Scheuring und Robert Stadlober.

Kritikmaximierung Hamburg